de | en

Die Nacht der Worte


Es war ein Fest für die Wahrheit : Zum fünften Mal verlieh der Verlag Gruner + Jahr in Hamburg den Henri Nannen Preis für herausragende Leistungen im Journalismus. Über 1200 Gäste kamen ins Schauspielhaus und erlebten einen ebenso feierlichen wie nachdenklichen Abend.

Von Jochen Siemens

Fängt mit K an, das Wort des Abends. Oder, wie man will, mit S, das Gespenst des Abends. Krise und Sparen. Und wenn es in den Zeitungen
des Landes kaum ein anderes Thema gibt, als Autos, Häuser und Sparbücher abzuwracken, wie sollte es in dieser Nacht anders sein? In einer Nacht, in der sich Nachrichtenmacher versammeln, um die zu ehren, die all diese schlechten Nachrichten am besten aufgeschrieben haben.
Aber, um mal gleich Hoffnung zu machen, Sparsamkeit kann auch Charme haben. Hans Werner Kilz zum Beispiel, Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“: Dass der Graukopf ein Meister des knarrigsparsamen Humors ist, war vielen nicht bekannt. Erst begründete
er mit knappen Worten die Preisvergabe in der Kategorie Humor an den Autor Oliver Maria Schmitt für dessen Köpenickade eines als Türken verkleideten Schriftstellers auf der Frankfurter Buchmesse: „Das liest sich komisch“. Dann fragte er Schmitt trocken: „Sie wollen doch sicher
Ihrer Mutter danken, oder?“ Kilz sparte sich, selbst über seine Pointen
zu lachen, was im umso mehr amüsierten Saal jemand mit „Wozu brauchen wir noch Mario Barth?“ kommentierte. 

Auszug aus dem Artikel "Die Nacht der Worte" von Jochen Siemens, erschienen im Magazin stern 21/2009.

Lesen Sie den gesamten Artikel hier - PDF [ 628 KB ]