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Henri Nannen

Hommage an eine Legende


Er war journalistisches Urgestein und schon zu Lebzeiten Legende. Einer, der Räume füllte und selbst seinen ärgsten Feinden noch Bewunderung abnötigte. DER SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein nannte ihn einen "Hauptdarsteller, der auch alle Nebenrollen beherrschte", andere sahen in dem stern-Gründer einen "Hans Albers des deutschen Journalismus", einen Mann, der weder Gott noch Anzeigenkunden fürchtete. In seiner eigenen Redaktion war nicht wenigen danach, "ihn (zu) ermorden und dann an seiner Bahre zu weinen", wie einer seiner treuesten Redakteure einmal seufzte.

Sich selbst sah Henri Nannen, der Polizistensohn aus Emden, den stets sieghaftes Strahlen umwehte, am liebsten als "Reichsgericht des kleinen Mannes". Der Schlüssel zum anderen Menschen sei wichtiger als der Schlüssel zum Kosmos, war das Kredo des Blattmachers, der seinem Heft eine beispiellose Erfolgsgeschichte bescherte.

In Nannens "Wundertüte" kam nur, was dem Meister selbst gefiel - und dessen Neugier war unerschöpflich. Seine Kolumnen unter dem Titel "Liebe stern-Leser" trafen den Nerv der Zeit. Sir Henri machte den stern zum politischen Schlachtschiff, er reiste zu Leonid Breschnew nach Moskau und gestaltete Willy Brandts Ostpolitik mit, rief "Jugend forscht" und den Egon Erwin Kisch-Preis ins Leben und gründete eine Journalistenschule.

Als er fand, "dass es nicht reicht, irgendwann ins Gras zu beißen und nichts bewegt zu haben außer einer vergnüglichen Illustrierten", zog er zurück nach Emden und schenkte der Heimatstadt seine Kunstsammlung und ein eigenes Museum.