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Meine steile Karriere




Mit einem fingierten Telegramm beschaffte ich mir die Genehmigung, mit einem englischen Militärzug "in dringender Familienangelegenheit" von Hannover nach Berlin zu fahren, ließ in einer Tauschzentrale meinen Coupon Stoff auf 2700 Reichsmark taxieren und tauschte ihn gegen eine Schreibmaschine im Wert von 2400 Reichsmark.

Als ich in unser Dorf zurückkam, lag ein Telegramm aus Karlsruhe auf dem Tisch, Absender "Verlag Volk und Zeit". Darin stand: "Sind an Bewerbung interessiert. Erwarten persönliche Vorstellung. Übernehmen Reisekosten."

Dass die nächtliche Reise mit der überfüllten Eisenbahn zunächst draußen auf dem Trittbrett stattfand, war für die damaligen Verhältnisse (April 1947) nicht ungewöhnlich. Man musste sich nur gut festhalten.

Neben mir hing ein Mann, der ein halbes Brot im Tornister hatte, aber keinen Aufstrich, während ich eine Büchse Rübenkraut im Rucksack hatte, aber kein Brot. Wir wurden schnell einig. Er erzählte, dass er in der Nähe von Fulda Klaviersaiten gegen Papier tauschen wollte, er und drei Freunde hätten den Plan, eine Jugendzeitschrift zu machen. Und ich erzählte, dass morgen in Karlsruhe meine journalistische Karriere begänne, und außerdem sei ich Besitzer einer Schreibmaschine. Der Mann horchte auf und wollte meine Adresse, ehe er mit seinen Klaviersaiten verschwand.

Ich hatte mich zu früh gefreut: Karlsruhe wurde ein großer Reinfall. Ich bekam eine warme Suppe, das Fahrgeld und den gut gemeinten Rat, mir besser einen anderen Beruf zu suchen. Man habe einen fixen Jungreporter erwartet, der schon was Geschriebenes vorweisen kann. Sie wünschten mir alles Gute.

Zum zweiten Mal: Aus der Traum vom Journalismus.
Ende Juni 1947 bekam ich einen Brief aus Bad Pyrmont von einem "Zick-Zack-Verlag". Ob ich mich an die nächtliche Bahnfahrt erinnerte, ob ich mal vorbeikommen wolle? Dann der Satz: "Sollten Sie interessiert sein, bringen Sie Ihre Schreibmaschine mit."

Also fuhr ich nach Bad Pyrmont. Meine Schreibmaschine ließ ich zu Hause. Es ging doch um mich. Die Enttäuschung der Herren in Pyrmont war groß, als ich mit leeren Händen kam. Ich fand schnell heraus, warum: der "Zick-Zack-Verlag" besaß selbst keine Schreibmaschine. Der Mann, den ich nachts auf dem Trittbrett kennen gelernt hatte, und ein anderer, sehr junger, der sich als Chefredakteur ausgab (ich schätzte ihn auf 24, so alt wie ich), verschwanden im Nebenzimmer. Der dritte blätterte mit unbewegtem Gesicht in meinen Geschichten, die ich in den vergangenen zwei Monaten geschrieben hatte, und murmelte: "Na ja" und ging dann ebenfalls nach nebenan. Ich hörte sie flüstern: "Wichtig ist doch nur, dass er seine Schreibmaschine mitbringt, dafür nehmen wir den armen Kerl in Kauf. Sein Geschreibe ist nicht der Rede wert. Vielleicht lernt er's ja noch ..."

Als der Mann zurückkam, sagte er gnädig, der Verlag sei bereit, mir die Chance als Volontär zu geben. Ob ich sofort anfangen könne? Am nächsten Tag kam mein Vertrag: 150 Reichsmark im Monat und "Herr Dahl verpflichtet sich ausdrücklich, dem Verlag seine Schreibmaschine zur Nutzung zu überlassen".

So war es - "Karriereplanung 1947". Keine Märchenstunde, Ihr Herren von heute, sondern die Stunde der Wahrheit. Man hat mich dann übrigens behalten, als der Verlag die erste eigene Schreibmaschine besaß und als 1948 aus "Zick-Zack" der stern wurde. Ich bin bis heute geblieben.

Es war eine fantastische Zeit im schönsten aller Berufe."

Jubiläumsausgabe 40 Jahre stern (22. August 1988)