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Pressefreiheit




Irina Chalip, 37, arbeitet bei der Beloruskaja Delowaja Gaseta. Das weißrussische Handelsblatt ist eine von drei noch unabhängigen Zeitungen im Lande. Sie trotzt den Schergen von Europas letztem Diktator, Alexander Lukaschenko. Dafür erhält die weißrussische Journalistin Irina Chalip den Henri Nannen Preis zur Verteidigung der Pressefreiheit.




Irina Chalip (Belorusskaja Delowaja Gaseta)



An ihr eigenes Schicksal denkt Irina Chalip selten, wenn sie schreibt. Sie weiß, das ist naiv. Riskant. Aber es ist auf jeden Fall besser so. Der Aschenbecher auf ihrem Schreibtisch, eine alte Übungsgranate, quillt über. Ihr Kaffee ist meist kalt, aber sie trinkt ihn trotzdem, während sie über Fälle wie jenen berichtet, der sich am 20. Oktober vergangenen Jahres zugetragen hat: Die weißrussische Journalistin Veronika Tscherkassowa wurde ermordet in ihrem Apartment in Minsk aufgefunden. Ihr Körper wies 45 Stichwunden auf. Das Messer steckte noch in ihrer Brust. Weder war die Tür zu Veronika Tscherkassowas Wohnung beschädigt, noch wurde etwas gestohlen. Die alleinerziehende Mutter hinterlässt einen 15-jährigen Sohn.

Irina Chalip kannte Veronika Tscherkassowa. So wie man sich eben kennt, wenn man zum überschaubaren Kreis der unabhängigen Journalisten in Weißrussland zählt. Irina Chalip schreibt für die Beloruskaja Delowaja Gaseta, das Handelsblatt. Veronika Tscherkassowa war Mitglied der Solidarnost-Redaktion. Ein Polizeisprecher äußerte sofort den Verdacht, der Mörder gehöre zu einer obskuren Sekte, über die Veronika Tscherkassowa vor Jahren berichtet hatte.