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Lebenswerk




Jürgen Leinemann, Jahrgang 1937, war fast 40 Jahre lang ein wacher Beobachter der politischen Führungsetagen in Bonn, Washington und Berlin. Kaum einem anderen sind so intime Einblicke in das Innenleben der politischen Klasse in Deutschland und so präzise Beschreibungen ihrer wichtigsten Vertreter gelungen. Dabei war es vor allem der schonungslos kritische Blick auf sich selbst, der Leinemann die Selbstgefälligkeit und Selbstgenügsamkeit vieler Polit-Profis erkennen ließ. In seinen Berichten und Porträts verbinden sich analytische Schärfe mit sprachlicher Brillanz und leidenschaftlicher Parteinahme gegen den Realitätsverlust in der Politik und den Substanzverlust der Demokratie.




Jürgen Leinemann



DER SPIEGEL DER ANDEREN

Franziska Augstein beschreibt den großen Journalisten, der für sein
Lebenswerk den Henri Nannen Preis erhält.

Jürgen Leinemann ist der größte Porträtist im bundesdeutschen Journalismus. Es gibt andere Autoren, die auch einfühlsame und dabei pointierte, kritische Porträts verfassen. Aber nur Jürgen Leinemann ist es gelungen, dass seine »Opfer« sich darum gerissen haben, ja dass es ihnen eine Ehre war, von ihm beobachtet und beschrieben zu werden.

Zum Teil hat das daran gelegen, dass Leinemann für den Spiegel gearbeitet hat, dessen Bedeutung zum Beispiel daran kenntlich wird, dass es eine echte Nachricht war, als der Kanzler Helmut Kohl mit dem trotzigen Satz auftrumpfte, er lese das Blatt nicht. Das allein erklärt das Phänomen aber nicht: Die Leute waren erpicht darauf, dass Jürgen Leinemann und kein anderer sich mit ihnen befasste, obwohl sie wussten, dass manch einer, der als Tiger auftritt, aus Leinemanns Beschreibung als gezaustes Steiff-Tier hervorgeht. »Sie wussten,« sagt der ehemalige Kollege Paul Lersch, »dass er sie auf die Couch legen würde. Und er hat sie auf die Couch gelegt.« (...)

Lesen Sie den gesamten Artikel aus HENRI NANNEN PREIS 2009 hier als Pdf